Das Objekt des Monats




Das Deutsche Technikmuseum zeigt im Foyer jeden Monat neu ein ausgewähltes Exponat.

Weitere Informationen finden Sie auch auf den Seiten des DTM.

In diesem Monat können Sie das folgende Exponat sehen:


Sonderzeichen für die Staatsbibliothek, 1996
© Clemens Kirchner

Sonderzeichen für die Staatsbibliothek, 1996

Schrift ist eine der ältesten Kulturtechniken der Menschheit. Sie muss gestaltet werden. Bernd Möllenstädt (1943-2013), ab 1990 künstlerischer Leiter für Schriftgestaltung der Berthold Types in Berlin, war einer dieser Gestalter. Sein Nachlass befindet sich seit 2013 im Archiv des Deutschen Technikmuseums.
Mitte der 1990er Jahre gestaltete er Sonderzeichen nach Vorlage der „Alten Schwabacher“ – einer Schrift, die bereits seit dem 15. Jahrhundert Verwendung fand, 1941 jedoch durch die Nationalsozialisten verboten wurde und auch heute bis auf wenige Ausnahmen kaum genutzt wird.
Diese Sonderzeichen wurden für den „Gesamtkatalog der Wiegendrucke“ benötigt, ein von der Staatsbibliothek zu Berlin geleitetes Projekt zur Erstellung eines Weltkataloges der Inkunabeln (von lat. incunabula, „Wiege, Ursprung“, hier: Druckwerk aus der Frühzeit des Buchdrucks). Das seit 1925 erscheinende und bis heute unvollständige Werk liegt vorläufig in elf Bänden und zwei Heften des zwölften Bandes vor und reicht bis zum Eintrag Hugo Senensis.
Die zunächst noch in Bleisatz gegossenen Schriften mussten für Fotosatz und digitalen Druck angepasst werden. Passend zu der bereits im Gesamtkatalog der Wiegendrucke existierenden Schrift entwarf Bernd Möllenstädt die hier in Auszügen ausgestellten neuen Sonderzeichen wie das Trennzeichen oder der Index-Finger. In den vergangenen zwanzig Jahren haben sich die Formen der Zeichen nicht mehr verändert, die technische Darstellung, etwa für die Online-Datenbank „Gesamtkatalogs der Wiegendrucke“, wird jedoch kontinuierlich angepasst.