Das Objekt des Monats




Das Deutsche Technikmuseum zeigt im Foyer jeden Monat neu ein ausgewähltes Exponat.

Weitere Informationen finden Sie auch auf den Seiten des DTM.

In diesem Monat können Sie das folgende Exponat sehen:


Gärwannenstöpsel, 1939 bis 1982
© Clemens Kirchner

Gärwannenstöpsel, 1939 bis 1982

In der Zutatenliste auf Lebensmittelpackungen entdeckt man nicht selten das „Säuerungsmittel Zitronensäure“. Wer jetzt an Zitronen als Quelle für diesen Zusatzstoff mit der Nummer E-330 denkt, liegt falsch.
Zitronensäure wurde zwar anfangs tatsächlich aus Zitronen gewonnen, ab 1923 erfolgte aber die Umstellung auf biotechnologische Fermentation im industriellen Maßstab.

Der Ausgangstoff hierfür ist Zucker, oder, genauer gesagt, sind es zuckerhaltige Lösungen. Insbesondere Melasse, ein Nebenprodukt der Zuckerindustrie, wird dabei oft verwendet. Die Umwandlung vom süßen Zucker zur Zitronensäure bewerkstelligt der Schimmelpilz Aspergillus niger. In der Biotechnologie kommt er vielseitig zum Einsatz. Im Alltag begegnet uns der Schwarze Gießkannenschimmel an verdorbenem Obst und Gemüse.

Im Gegensatz zur alkoholischen Gärung wie im Bier, oder der Milchsäuregärung im Jogurt, braucht A. niger Sauerstoff, um den Zucker in das gewünschte Produkt Zitronensäure umzuwandeln.

Darum erfolgte die biotechnologische Zitronensäureproduktion bei Boehringer Ingelheim ab 1939 in flachen Wannen. Große Oberfläche und geringe Schichtdicke der Zuckerlösung erlauben eine ausreichende Sauerstoffversorgung aus der Luft. Anhand der Gebrauchsspuren des hier ausgestellten Wannenstöpsels lässt sich die Schichtdicke ablesen. Heutzutage ist das Oberflächenverfahren durch technisch aufwendige Bioreaktoren, die eine optimale Sauerstoffzufuhr garantieren, abgelöst. Boehringer Ingelheim stieg 1982 gänzlich aus der Zitronensäureproduktion aus.