Das Objekt des Monats




Das Deutsche Technikmuseum zeigt im Foyer jeden Monat neu ein ausgewähltes Exponat.

Weitere Informationen finden Sie auch auf den Seiten des DTM.

In diesem Monat können Sie das folgende Exponat sehen:

Handfeuerlöscher „Spitztüte“, 1926
© SDTB / Clemens Kirchner

Handfeuerlöscher „Spitztüte“, 1926

Im Jahr 1904 patentierten der Unternehmer Wilhelm Graaff (1872-1931) und der Konstrukteur Hans Mikorey einen „Chemischen Handfeuerlöscher mit Griffhenkel an dem tragbaren Behälter“. Dank seiner spitz zulaufenden Form erhielt er schnell den Namen „Spitztüte“. Vertrieben wurde der Feuerlöscher von der bereits 1901 in Berlin von Graaff gegründeten Firma Minimax. Schon bald sollte er den individuellen Brandschutz revolutionieren.
Die „Spitztüte“ war so konzipiert, dass sie auch Laien schnell und ohne jede Übung verlässlich einsetzten konnten: Mit einem einfachen Aufstoßen auf den Fußboden wurde der Löscher aktiviert. Durch die Erschütterung zerbrach ein mit Salzsäure gefüllter Glaszylinder im Inneren. Der Kontakt der Säure mit der Löschflüssigkeit erzeugte Kohlendioxid. Dies führte zu einem starken Überdruck, und die Löschflüssigkeit spritzte durch eine Düse bis zu zwölf Meter weit und zehn Meter hoch in die Luft.
„Ein Schrei, es brennt! Ein Stoß, ein Knacks, zwölf Meter weit spritzt Minimax“ hieß es dementsprechend in einem Werbespruch. Für die Konzeption dieser Sprüche konnte die Firma den Dichter Joachim Ringelnatz (1883-1934) gewinnen, der auch den legendären Slogan „Feuer breitet sich nicht aus, hast du Minimax im Haus“ entwarf.
Neben einer breit angelegten Marketingkampagne führte die Firma Minimax auch Aufklärung zum Brandschutz durch. Das verhalf der „Spitztüte“ schnell zu großem Erfolg: Schon im Jahr 1909 wurden davon 375.000 Stück verkauft. Zu diesem Zeitpunkt war Minimax bereits in 37 Ländern vertreten. Die „Spitztüte“ wurde bis 1960 hergestellt und weltweit millionenfach verkauft.

Inv.-Nr.:1/1995/1663 – Text: Florian Müller