Das Objekt des Monats




Das Deutsche Technikmuseum zeigt im Foyer jeden Monat neu ein ausgewähltes Exponat.

Weitere Informationen finden Sie auch auf den Seiten des DTM.

In diesem Monat können Sie das folgende Exponat sehen:

Werbesäule für das Medikament Contergan, 1958
© SDTB / C. Kirchner

Werbesäule für das Medikament Contergan, 1958

Aus heutiger Sicht wirkt der leichtfüßige Text auf dieser Werbesäule für das Medikament Contergan mehr als blauäugig. Gerade die in der Werbung hervorgehobene angebliche Ungefährlichkeit hatte viele Schwangere dazu bewogen, das Mittel nicht nur gegen Schlafstörungen, sondern auch gegen die morgendliche Übelkeit einzunehmen. Bei seiner Einführung im Oktober 1957 war Contergan noch rezeptfrei zu bekommen, erst nachdem sich Fälle von Missbildungen bei Neugeborenen häuften, wurde es im November 1961 unter Rezeptpflicht gestellt. Es dauerte dann noch ein weiteres Jahr, bevor es ganz vom Markt genommen wurde. In dem Zeitraum, in dem das Mittel verfügbar war, wurden weltweit 10.000 durch Contergan geschädigte Kinder geboren, davon allein 4.000 in Deutschland. In den USA hingegen verhinderte die engagierte Pharmakologin Frances Oldham Kelsey 1962 die Zulassung des Medikaments für den US-Markt.

Der Skandal um das Medikament wirkte sich unmittelbar auf das Arzneimittelrecht und die Zulassung von Medikamenten aus. 1961 wurde in Deutschland das erste Arzneimittelgesetz erlassen und, ebenfalls als Folge des Contergan-Skandals, 1976 neu gefasst. Seitdem müssen für die Zulassung eines Medikaments seine Wirksamkeit, Qualität und Unbedenklichkeit nachgewiesen werden. Die Pharmafirmen bleiben auch danach für die Sicherheit und Qualität ihrer Produkte verantwortlich. Sie müssen Nebenwirkungen auswerten, Ärzte und Zulassungsbehörden informieren und gegebenenfalls warnen. Ausführliche Angaben auf Packung und Beipackzettel wurden zur Pflicht. Heute dürfen Schlaf- und Beruhigungsmittel generell nicht mehr beworben werden.